Mit dem TGV fahren wir als 10er Gruppe von Basel SBB über Paris, Bahnhofwechsel, und kommen abends in Pau an. Es schifft, aber trotzdem gehen wir raus, geniessen ein feines Nachtessen und zum vorläufig letzten Mal eine Nacht im Doppelzimmer mit Bad/WC. Der Komfort wird uns später bewusst.
Am frühen Morgen des zweiten Tages streifen ein paar von uns vor dem Frühstück durch die Altstadt von Pau zum Château de Pau. Frühstück. Um die Wartezeit aufs Taxi zu verkürzen, lasse ich die Teilnehmenden das Gewicht meines Rucksacks schätzen. Er wiegt 8,350 kg inkl. Proviant für den ersten Wandertag … er wird nun täglich leichter. Nun fährt uns ein Taxi südlich durchs Tal in die Pyrenäen bis zum Lac de Fabrèges. Ein paar Höhenmeter können wir mit der Gondelbahn zur Station d’Artouste überbrücken, wo uns der kleine Artouste-Zug ca. 50 Minuten zum Lac d’Artouste bringt. Unser erstes Highlight, leider im Nebel. Der Zug diente dem Transport von Leuten und Material beim Bau der Staumauer des Lac d’Artouste. Wir rüsten uns und fertig los! Unter kundiger Führung von François Meienberg während dem ganzen Trekking werden wir an mindestens sechs Seen vorbeiwandern. Auch die nächsten Tage treffen wir auf viele weitere. Der Nebel hat sich gelichtet und die Sonne ist nun oft unsere Begleiterin. Der erste Übergang ist der Col d’Arrémoulit (2450 m), Grenzpass Frankreich/Spanien, unsere Geocacherinnen finden einen Cache. Schliesslich erreichen wir die erste Hütte, Refugio de Respomuso auf 2140 m, in Spanien an einem Stausee gelegen. Die Hütte entspricht nicht unseren SAC-Hütten … wie wir später sehen werden, war sie im Vergleich mit den anderen gar nicht so schlecht. Auf alle Fälle haben wir gut gegessen (überall muss ich sagen) und Uli spendiert den Apéro zu seinem Geburtstag. Diese Hütte wurde vor zehn Jahren von einer Lawine beschädigt und noch heute wird gebaut und werden Provisorien ersetzt. Bei uns wäre die Hütte geschlossen.
Wir starten am dritten Tag zeitig durch den Campo Plano und überqueren den nächsten Übergang, Col de la Fâche (2660 m), wieder zurück nach Frankreich. Die etlichen Seen in allen Farbschattierungen von grün bis blau und türkis beleben die abwechslungsreiche Landschaft. Die Pause am Lac de la Fâche (2440 m) wird zum Baden genutzt … brrr. Nach dem Abstieg erreichen wir das neu renovierte Refuge Wallon Marcadau auf 1865 m. Dieses Refuge ist ein architektonisches Meisterwerk und liegt auf einem einzigartigen, idyllischen Alpboden durchzogen mit dem Bergbach, der zum Verweilen und Baden einlädt. Hier bleiben wir zwei Nächte, schlafen bestens, essen wunderbar und haben Zeit für das eine oder andere Spielchen.
Am vierten Tag haben wir es nicht eilig, es ist ein à la carte Tag: wir steigen auf zu den Lacs d’Opales (2340 m), das Wasser ist tatsächlich opalfarbig, und gleich auch zu den Lacs de Cambalès. Hier wird nochmals gebadet. Eine wunderbare Seenlandschaft präsentiert sich uns. Eine Sechsergruppe wandert nach der Pause direkt zurück zur Hütte und geniesst dort den Nachmittag. Die übrigen vier (François, Brigitte, Barbara, Kathrin) wandern weglos durch Moorgebiete (François zieht eine Schlappe), über den Soum det Malh (2250 m), auf der anderen Seite eine Grasschrunde hinunter auf den Weg zum Lac Nere. Wir haben noch nicht genug, weiter geht’s weglos zum Lac de Bassia (2500 m). Leider reicht die Zeit nicht für den Pic de Bernat Barrau. Schön war’s trotzdem. Die Hütte erwartet uns nochmals mit einer Dusche und einem feinen Znacht.
Der Tag 5 ist unsere Herausforderung mit Höhenmetern und Wanderzeit. Wir wandern das wunderschöne Vallée de Marcadau hinunter bis zum Pont d’Espagne (1500 m). Endlich nach vier Tagen wieder einmal Netzempfang, um eine Nachricht nach Hause zu schicken. Pont d’Espagne ist ein Tourismusmagnet mit seinen wilden Wasserfällen und der alten Brücke. Wir nehmen uns die Zeit für einen Cappuccino mélange! Danach steigt die gleiche Vierergruppe von gestern hoch zum Lac de Gaube (1750 m), der Oeschinensee der Pyrenäen; die anderen Sechs überwinden die 250 m mit einem Sesselbähnli. Die beiden Geocacherinnen sind wieder fündig geworden und verlängern unsere Mittagspause Nieselregen. Wir steigen weiter auf bis zum eindrücklichen Talkessel am Fuss der Vignemale-Nordwand mit den Resten eines Pyrenäengletschers. Ein letzter Kraftakt, nochmals 600 m hoch zur Hourquette d’Oussoue, Passübergang auf 2750 m, und hinunter zur unserer Hütte Refuge de Bayssellance auf (2642 m). Es ist die älteste und höchste bewartete Hütte in den französischen Pyrenäen. Platsch voll, laut, ein Puff, eng, im Schlag mit ca. 20 Personen … aber eine gemütliche Stube. Wettbewerb zum Durchschnittsalter der Gruppe, Auflösung später. Der Gewinner erhält einen Sack Klämmerli mit Schweizerkreuz, die er an die Gruppe verteilen darf.
François erzählt uns unterwegs jeweils interessante Geschichten, die er in seinen beiden Pyrenäen-Büchern festgehalten hat. Der Vignemale mit 3298 m war schon vor langer Zeit ein begehrtes Bergziel. Der französisch-irische Schriftsteller Russell war einer der Pioniere bei der Eroberung der Pyrenäen im 19. Jahrhundert. Den Vignemale konnte er für 1 Franc für 100 Jahre pachten und baute dort diverse Grotten zur Unterbringung seiner Gäste.
Beim 300 m Abstieg von der Hütte am sechsten Tag gehen wir an einer weiteren Grotte von Russell vorbei. Auf der gegenüberliegenden Seite folgt der Aufstieg zum Col des Gentianes (2720 m) und anschliessend die 8-Seen-Wanderung durch den einsamen Talschluss des Gave d’Estom Soubiran. Nach einer langfädigen, abwechslungsreichen Wanderung auf und ab erreichen wir den letzten See des Tages, den Lac d’Estom und das Refuge d’Estom. Auch dieses kleine Refuge liegt idyllisch am See, leider trüben Nebelschwaden immer wieder die Sicht. Strom gibt es von 17.30 h bis 21 Uhr. Die Kopflampe kann es richten. Nachstehend folgt die Geschichte von Mauro mit seinem WC-ohne Licht-Erlebnis. Wir schlafen eng, sogar mit einem Baby im Schlag … es sind eher die Schnarcher, die auch diese Nacht unruhig machen.
Unser letzter siebter Wandertag bricht an, indem wir dem Bergbach Gave de Lutour ins Tal folgen. Bezaubernde Wege und Landschaften vorbei an mehreren Wasserfällen, an frei weidenden Pferden und Eseln lassen unser Trekking ausklingen. Wir erreichen Cauterets (950 m), ein alter Bergsport- und Badeort, wo unser Trekking endet. Nach einem kleinen Imbiss besuchen wir den Platz mit der einen Therme und erfahren den Unterschied zwischen Alpinismus (Alpensport) und Pyrenäismus (Bergsteigen, Schreiben, Fühlen), eine literarische Bewegung. In Cauterets steht das alte Bahnhofgebäude noch, obwohl keine Bahn mehr fährt. Es ist der norwegische Pavillon der Weltausstellung 1889 in Paris und wurde hier in Cauterets als Bahnhof wieder aufgebaut. Nun bringt uns der Bus ein enges Tal hinunter nach Lourdes. Was hier nicht fehlen darf, der Besuch der Grotte der heiligen Bernadette Soubirous und der beeindruckenden Basilique soutterraine, vollkommen unter Boden gebaut, die für 25'000 Pilger Platz bietet. Die alte Basilika ist selbstverständlich auch sehenswert. Gerade findet eine Prozession von Pilgern und Gläubigen statt. Lourdes ist ein hübsches Städtchen und bietet sich auch zum Flanieren und gut Essen an. Wir geniessen die Hoteldusche und die Zweibettzimmer. Ein feines Nachtessen schliesst unsere Pyrenäentage ab. Als Dank für das erlebnisreiche Trekking übergeben wir François im Namen von allen ein Versli (siehe nachstehend, Autorin Ruth).
Mit der Heimfahrt am achten Tag von Lourdes über Paris nach Basel endet unser Pyrenäen-Erlebnis. Durch die kompetente Führung von François und seine Erläuterungen war es für uns alle ein Genuss und ein grossartiges Erlebnis.
Wir haben gefühlt hunderte Seen gesehen, etliche Murmeltiere sowie Gämsen, immer wieder einmal Geier, es gibt drei verschiedene in den Pyrenäen. Den Bären haben wir nicht getroffen. Nachdem es 1990 noch 9 Bären gab, wurden 1996/1997 slowenische Bären ausgesetzt; heute leben etwa 80 Bären in den Pyrenäen. Das Wetter war uns hold. Die etwa 15 Minuten Regen insgesamt haben wir schnell vergessen. Wir sind jeden Tag dankbar, dass ideales Wanderwetter ist, nicht heiss, gerade richtig.
Nebst den Wanderungen von West nach Ost durch die Pyrenäen kann man weitere Hintergrundinformationen und Geschichten in den beiden Pyrenäen-Büchern (West und Ost) von François Meienberg, Rotpunktverlag, nachlesen.
Ich danke François für das spannende Trekking und die ganze Reiseorganisation sowie allen Mitwandernden: Hanni Gerber, Barbara Martin, Brigitte Wyden, Ruth Häfliger, Brigitte Walz, Uli Onken, Ursula Nüsch Schudel, Mauro Widmer. Auch das war einmal abends ein Wettbewerb: Altersdurchschnitt 67 Jahre. Wir waren flott unterwegs, keine Unfälle oder andere Probleme. Bravo und Danke!
Kathrin Siegrist
Dankschön-Versli für François (Autorin Ruth)
Mit François durch die Pyrenäen zu wandern, von einem Gipfel und See zum andern,
hat uns viel Spass und Freude gemacht: wir haben geschwitzt, gefroren und gelacht.
In den Hütten, zu denen wir gelangen, nahm uns stets die tolle Aussicht gefangen.
Der Stunden Schlaf gab es manchmal nicht viele, dafür feines Essen und lustige Spiele.
Wir werden gerne an dich und diese Tage denken, und möchten dir zum Abschied ein kleines Dankeschön schenken.
Mauro: Im dunkeln «servicio» des Refuge d’Estom
Auch heute führt uns der Hüttenwart in die Gepflogenheiten der Unterkunft ein, die Besonderheiten der einzigen Hüttentoilette bleiben unerwähnt. Im lichterlosen, stillen Örtchen kann ich die Türe problemlos mit dem kleinen Schiebeschloss zusperren. Mit Ertasten finde ich mit der Zeit auch den Hebel zur Toilettenspülung im Wasserkasten drin. Im Dunkeln zu sein, wird mit der Zeit zur kleinen Herausforderung, zudem mein Solar-Taschenlämpchen noch den Geist aufgibt. – Da ist es wieder, das Türschloss: Ich hantiere, schubse, schiebe, stosse, morxe – nichts passiert. Auch versuche ich durch diskrete Poltergeräusche auf meine missliche Lage in der Toilettenkabine aufmerksam zu machen. Und plötzlich springt der Schlossriegel wie von selbst nach rechts und die Klotüre springt auf. Ich bin aus der misslichen Lage befreit!
⇐