Um 6:03 fahren wir in Basel SBB ab, um 9:33 stehen wir auf dem Gotthardpass, 2’106m. Nur in Göschenen und Andermatt müssen wir umsteigen. Als erstes fällt sehr angenehm auf, dass die Temperatur hier wesentlich menschfreundlicher ist als in Basel. Ein frischer Wind sorgt zusätzlich für Erfrischung. Und treibt die fünf Windräder des Windparks Gotthard an. Die Masten sind 98m hoch, der Kreis, den die drei Rotorblätter beschreiben, hat einen Durchmesser von 92m. Die installierte Leistung pro Turbine beträgt 2.35MW.
Das Projekt Windpark Gotthard brauchte 18 Jahre von den ersten Skizzen bis zur Einweihung im Oktober 2020. Ein Schwachpunkt ist die Effizienz der Anlage. Wenn kein Wind bläst, wird kein Strom produziert. Interessanterweise bläst nicht derselbe Wind am selben Ort, wenn ihn Windenergiebefürworter und Windenergiegegner betrachten. Bei den einen bläst er fast immer, bei den andern fast nie. 2021 war die Effizienz angeblich 10.5%, das heisst, von den 8760 Stunden des Jahres wurde nur während 920 Stunden Strom produziert.
Die Anlage hat interessante Eigenschaften wie:
- eine Rotorblätterheizung, gegen Vereisung und Eiswurf
- eine Radaranlage, die Vogelschwärme erkennen kann und in dem Fall die Windräder stoppt.
2023 stand im Schnitt jede Turbine während 130 Stunden still, wegen Radareingriffen.
Wir aber sitzen bei Kaffee und Gipfeli. Nikolaus schlägt vor, statt nach Airolo abzusteigen den Höhenweg über dem Bedrettotal zu gehen. Das findet Anklang, und ohne zu baden ziehen wir los. Im erhitzten Flachland schien uns ein Bad im Lago dei Morti sehr verlockend zu sein. Aber jetzt denken wir, es muss nicht sein, zu kühl.
Wir folgen dem Höhenweg bis zur Alpe di Cavanna, immer mit schönem Blick ins Bedrettotal und auf die umliegenden Berge.
Dann steigen wir ca 700m ab, auf mit Nadeln gefederten Wegen sehr schön zu laufen, nach Villa Bedretto. Unser Postauto kommt mit Verspätung, gerade genug, um den uns enteilenden Zug in Airolo noch zu sehen.
Vorteil: Wir kehren ein und trinken und essen etwas.
Nachteil: Einige wollten auf der Heimfahrt in Flüelen baden, und dort dann den nächsten Zug nehmen.
Aber mit der Stunde in Airolo wird das den meisten zu spät und so bleiben alle, ausser zwei Unentwegte, sitzen und fahren direkt nach Basel, zusammen mit vielen vor allem weiblichen Fussballfans, die an den Frauenfussball-Match Schweiz/Norwegen wollen.
Lieber Nikolaus, wir danken Dir alle für den schönen Tag zusammen. EB.
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